Pressemitteilung
Expertenkommission bestätigt AKJS SH: Kinder- und Jugendmedienschutz braucht mehr als Verbote
Die Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat ihre Handlungsempfehlungen vorgelegt. Aus Sicht der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein e. V. bestätigen diese Empfehlungen eine zentrale fachliche Position: Kinder und Jugendliche brauchen wirksamen Schutz in digitalen Räumen – aber dieser Schutz darf nicht auf pauschale Verbote verkürzt werden.
Bereits im Frühjahr hatte die AKJS SH gemeinsam mit dem Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein deutlich gemacht: Digitale Räume sind längst Teil des Aufwachsens. Junge Menschen nutzen sie für Kommunikation, Information, Identitätsentwicklung, politische Meinungsbildung, Freizeit und soziale Teilhabe. Deshalb greifen einfache Verbotslogiken zu kurz. Entscheidend ist nicht allein, ob Kinder und Jugendliche digitale Medien nutzen, sondern unter welchen Bedingungen sie dies tun.
Die Handlungsempfehlungen der Expertenkommission setzen genau hier an. Sie betonen den Dreiklang aus Schutz, Befähigung und Teilhabe. Damit rücken sie die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört: zu Politik, Plattformbetreibern, Aufsichtsstrukturen und pädagogischen Institutionen. Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte dürfen mit den Herausforderungen digitaler Räume nicht allein gelassen werden.
Aus Sicht der AKJS SH braucht es verbindliche Standards für Plattformen nach dem Prinzip „Kinderrechte by Design“. Dazu gehören altersgerechte Voreinstellungen, transparente Empfehlungssysteme, wirksame Moderation, Schutz vor manipulativen Designs und niedrigschwellige Melde- und Beschwerdewege. Plattformen müssen so gestaltet sein, dass sie Kinderrechte achten und junge Menschen schützen – nicht erst, wenn Eltern oder Kinder komplizierte Einstellungen verändern.
Gleichzeitig braucht Schleswig-Holstein eine landesweite Strategie für gutes Aufwachsen in der digitalen Welt. Schulische Regeln zur privaten Smartphone-Nutzung können ein Baustein sein. Sie ersetzen aber keine umfassende Medienbildung, keine qualifizierten Fachkräfte und keine verlässlichen Beratungsangebote.
Medienbildung muss verbindlich in Kita, Schule, Ganztag, Jugendhilfe und Familienbildung verankert werden. Pädagogische Fachkräfte brauchen Qualifizierung, Zeit und Ressourcen. Bestehende medienpädagogische Angebote freier Träger müssen ausgebaut und dauerhaft finanziert werden. Kinder, Jugendliche, Eltern und Fachkräfte benötigen niedrigschwellige Beratung – etwa bei Cybermobbing, sexualisierter Gewalt, problematischer Nutzung, Hass, Desinformation oder anderen digitalen Risiken.
Besonders wichtig ist aus Sicht der AKJS SH: Kinder und Jugendliche müssen beteiligt werden. Schutzmaßnahmen dürfen nicht nur über junge Menschen beschlossen werden. Sie müssen mit ihnen entwickelt werden, denn Kinder und Jugendliche sind Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt.
Die Empfehlungen der Expertenkommission bieten nun die Chance, die Debatte in Schleswig-Holstein zu versachlichen. Es geht nicht um ein Entweder-oder zwischen Schutz und Teilhabe. Guter Kinder- und Jugendmedienschutz verbindet beides: Er schützt vor Risiken, stärkt Medienkompetenz und ermöglicht sichere digitale Teilhabe.
Unsere ausführliche Pressemitteilung zu den Handlungsempfehlungen finden Sie hier.