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Kurzgespräch – ein Beispiel

Kurzes Tür- und Angel-Gespräch zwischen Lehrkraft und Mutter eines 5.-Klässlers

Situation:
Am Ende des eigentlichen Gesprächs, in dem es um die Schulleistungen ihres Sohnes ging, bleibt die Mutter noch stehen.

Symbole in der Verschriftlichung:

↓ statt ? bedeutet: Die Tonlage senkt sich am Satzende.

Die markierten Worte sind Schlüsselwörter der Ratsuchenden.

Gesprächsverlauf:

  • Wissen Sie, wir haben ja jetzt schon viel unternommen, um Simon besser unterstützen zu können. Manchmal bin ich aber wirklich ratlos und weiß nicht mehr weiter… Seine beiden Geschwister sind ja schließlich auch noch da… Ich habe ja erst vor kurzem wieder angefangen zu arbeiten, halbe Tage. Und das gefällt mir eigentlich auch richtig gut. Manchmal überlege ich aber doch, ob ich nicht einfach wieder aufhören soll…
  • Sie haben viel zu tun, das kann ich mir vorstellen. Was müssen Sie denn wissen, um anfangen zu können
  • Ach, mir tut es einfach gut, neben der Zeit für die Familie auch mal wieder unter Menschen zu kommen und, ja, auch etwas mehr Geld zu haben, es wird ja alles teurer… Wir hatten immer gesagt, wenn der Kleinste auf die weiterführende Schule geht, aus dem Gröbsten raus ist sozusagen, dann kann ich auch wieder anfangen zu arbeiten….
  • Das ist ja schön, dass Sie etwas gefunden haben, was Ihnen guttut! Das ist ja auch für Sie ein Neu-Anfang… Was müssen Sie noch wissen…
  • Hmm… Naja, natürlich kostet es auch Kraft, ich komme ja nun erst am frühen Nachmittag nach Hause, dann bin ich ja auch für die Kinder da, aber die Zeit für sie ist eben auch weniger. … Gut, die beiden Großen wollen ja auch schon mehr ihre Ruhe haben, brauchen mich nicht mehr sooo viel, aber trotzdem, irgendwas ist ja immer… Und abends ist die Luft dann völlig raus bei mir…
  • Ja, zu arbeiten und für die Familie dazu sein, dafür braucht es auch Zeit und Kraft. Wie können Sie Ihre Kraft schonen
  • Tja, das ist immer so leicht gesagt…. Der Haushalt macht sich ja auch nicht ganz von allein. Und ehrlich gesagt, brauche ich ja auch mal Zeit für mich. Dafür reicht es dann oft gar nicht mehr…. Ich komme dann ganz zum Schluss. Manchmal erkenne ich mich gar nicht mehr wieder…
  • Das ist ja völlig klar und nachvollziehbar, eine wichtige Erkenntnis! Wie können Sie erreichen, dass Sie mehr Zeit für sich bekommen… nicht erst zum Schluss, sondern gleich von Anfang an
  • Gute Frage! Vielleicht müsste ich erst mal, wenn ich nach Hause komme, eine Pause einlegen, oder zumindest gleich nach dem Essen, etwas abschalten, mich zurückziehen. Dann müssen die Kinder mich auch einfach mal für ne halbe Stunde oder so in Ruhe lassen und nicht immer im Wohnzimmer rumlungern und so. Vielleicht muss ich das mal mit Ihnen mal in Ruhe besprechen, damit das für sie klar ist. Und dann ist auch irgendwann wieder Zeit für sie, für ihre Sachen…
  • Das hört sich gut an. Wie können Sie das in Ruhe besprechen
  • Ich muss das nochmal überlegen, am besten auch gleich heute Abend mit meinem Mann nochmal besprechen. Der muss ja auch dahinterstehen. Und alle sollten dann etwas mit anpacken, im Haushalt, dass das selbstverständlicher wird, dass nicht alles an mir hängen bleibt. Die Großen drücken sich nämlich immer ein wenig davor…
  • Wann werden Sie das mit allen besprechen
  • Ja erst heute mit meinem Mann, und dann am Wochenende, wenn wir mehr Ruhe haben, mit allen zusammen. Dann überlege ich mir auch nochmal, wie wir die Aufgaben im Haushalt besser verteilen können…
  • Das hört sich nach einem guten Plan an. Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei. Kommen Sie gern wieder auf mich zu, wenn Sie mögen.

Zur Autorin

Dr. Katrin Meuche ist Bildungsreferentin bei der Evangelischen Schüler:innenarbeit, Schul- und Jugendseelsorge bei der Nordkirche. Sie hat im Rahmen unserer Fortbildungsreihe „Was ist da los? – Was kann ich tun?“ mehrfach Kurse zur Methode des Kurzgespräches in der pädagogischen Praxis durchgeführt.

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Das Kurzgespräch im pädagogischen Alltag.

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Telefon: 0431/26068-75

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