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Interview zum Beitrag „Was folgt auf die (Corona-) Krise?“ mit Dr. Manuela Richter-Werling

Inwieweit haben sich junge Menschen mit Depressionen und Phobien durch die Lockdown-Situation entlastet fühlen können?

Diese Gruppen, so die Erklärung in der JuCo-Studie, mussten sich nicht gesellschaftlichen Situationen in der Schule oder anderen Alltagswelten aussetzen, die sie normalerweise als Stressmomente erleben. Außerdem wurde von den Befragten auch geäußert, dass sie sich jetzt mit nicht mehr so komplexen Anforderungen an die eigenen Lebensgestaltungen besser auf z. B. Schulaufgaben konzentrieren können.

Die sogenannte Wochenbettdepression, tritt meist im ersten Jahr nach der Entbindung auf. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind etwa 10 bis 15% aller Frauen nach der Geburt betroffen. Eine Wochenbettdepression muss professionell behandelt werden. Sie ist nicht zu verwechseln mit dem sogenannten Baby Blues, einer kurzzeitigen depressiven Verstimmung, die bei 50 bis 80 % aller Mütter auftritt und von selbst wieder abklingt.

Von Wochenbettdepression betroffenen Mütter können sich z.B. nicht über ihr Kind freuen oder sich dem Kind angemessen zuwenden. Studien zeigen auch, dass Frauen wegen ihrer depressiven Symptome vermutlich größere Schwierigkeiten haben, elterliche Aufgaben zu erfüllen wie die kinderärztlichen Entwicklungsuntersuchungen (U-Untersuchungen) wahrzunehmen, das Kind beim Einschlafen zu begleiten oder für die Sicherheit des Kindes zu sorgen.

Hilfreich wäre sicher eine verpflichtende intensive Aufklärung und Betreuung von werdenden und gewordenen Müttern durch die Gynäkolog:innen während der Vorsorgeuntersuchungen über mögliche psychische Erkrankungen, wenn möglich auch die Durchführung von Screenings, d.h. Verfahren zur Erfassung depressiver Störungen, noch auf den Entbindungsstationen. Außerdem braucht es mehr ambulante und klinische Betreuungsmöglichkeiten von erkrankten Müttern und ihren Babys.

Lehrkräfte melden nach Ihrer Umfrage einen hohen Bedarf an Information über psychische Erkrankungen und Resilienzförderung an. Gleichzeitig stellen sie fest, dass es keine zeitlichen Ressourcen in Schule für Präventionsmaßnahmen gibt. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Wir als Irrsinnig Menschlich e.V. werden unsere Arbeit in Schulen fortsetzen, intensivieren und verbessern, soweit das in unserer Macht steht. Das machen wir seit 21 Jahren. Doch wir gehören nicht zum Schulsystem und sind keine politischen Entscheider:innen. Wir von Irrsinnig Menschlich e.V. sind mit unseren Präventionsangeboten zu Gast an Schulen. Ganz neu ist unser Angebot für Berufsschüler:innen „Aufmachen! Psychisch fit in Berufsschule und Beruf“ in Zusammenarbeit mit der BAHNBKK. Und gerade läuft die Pilotphase für ein klassenweises Angebot „Unsere verrückten Familien“ zum Thema psychisch kranke Eltern unterstütz von Auridis. Außerdem haben wir für Lehrkräfte und Schulen mit Unterstützung des BMG eine spannende Broschüre erstellt: „Kinder psychisch kranker Eltern in der Schule“ (66 Seiten) mit Wissen, Tipps und guter Praxis für die Schule. Die können Schulen ab sofort von uns bekommen: info@irrsinnig-menschlich.de.

 

Zur Autorin

Manuela Richter-Werling, Dr. phil., ist Dipl.-Lehrerin, Historikerin, Journalistin und Systemischer Coach. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von Irrsinnig Menschlich e.V.

Manuela Richter-Werling hat auf unserem Online-Fachtag „Umgang mit der Krise“ am 26.08.2021 den Grundsatzvortrag „Was folgt auf die Corona-Krise?“ gehalten.

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Zum Artikel:

Was folgt auf die (Corona-) Krise? – Impulse zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

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